„Demokratie muss verteidigt werden“

Ortsverein

Artikel vom 16.November 2012 aus der Allgemeinen Zeitung Mainz anlässlich des 100jährigen Jubiläums des SPD Ortsvereins Ober-Olm

Von Torben Schröder SPD-JUBILÄUM Ober-Olmer Ortsverein feiert 100. Geburtstag mit viel Prominenz / Kurt Beck als Festredner / Langjährige Mitglieder geehrt „100 Jahre, das ist schon ein stolzes Jubiläum“, gratulierte Ministerpräsident Kurt Beck dem SPD-Ortsverein Ober-Olm, der in festlichem Rahmen in der Ulmenhalle Geburtstag feierte. „All denjenigen, die vor uns Verantwortung getragen haben, gelten unser Respekt und unser Dank.“ Dem am 4. November 1912 von 41 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufenen Ortsverein wurde reichlich Ehre zuteil - allein die Vorstellung der Ehrengäste durch den Ober-Olmer Vorsitzenden Karl-Heinz Greb dauerte rund 15 Minuten. Und nicht mehr in der Funktion des Landesvorsitzenden, sondern nunmehr als Ehrenvorsitzender des Landesverbands hielt Kurt Beck die Festrede. „Es war ja nicht so, dass man sich in der Kaiserzeit einfach treffen und einen sozialdemokratischen Ortsverband gründen konnte“, blickte der Noch-Ministerpräsident zurück, „im Reich hieß es, man müsse sich wappnen vor den gemeingefährlichen Umtrieben der Sozialdemokratie.“ Forderungen wie gleiches Wahlrecht, Demokratisierung und Teilhabe hätten damals die Triebfeder zur Gründung gebildet. Wenig ist dokumentiert über die Frühgeschichte des Ortsverbands. In der Broschüre, die anlässlich der Jubiläumsveranstaltung veröffentlicht wurde, wird berichtet, dass zuzeiten der nationalsozialistischen Schikanen die Mitgliederdaten aufgrund drohender Repressalien vernichtet wurden. Die Verfolgung der Sozialdemokraten im „Dritten Reich“ bildet, das wurde auch in Ober-Olm deutlich, noch immer einen wesentlichen Teil des Identitätskerns der SPD. „Die Demokratie ist nichts Selbstverständliches, sie muss aus sich selbst heraus erneuert und auch verteidigt werden“, mahnte Beck. „Aus eigener Verantwortung etwas zu tun, ist für unsere Zukunft von ganz großer Bedeutung. Daher bitte ich auch, bei aller Kritik, der sich die Politik stellen muss, dass gerade denjenigen, die sich ehrenamtlich in demokratischen Parteien engagieren, Respekt entgegen gebracht wird.“ Beck trat nicht nur als Gratulant, sondern - vier Tage nach seiner Ablösung als Landesvorsitzender durch Roger Lewentz - auch als kämpferischer Tagespolitiker auf. Mindestlöhne, Spekulanten, Chancengleichheit, Erbschaftssteuer: „Wir (Sozialdemokraten) müssen da Ordnung schaffen, vieles muss vom Kopf auf die Füße gestellt werden“, mahnte Beck und erntete den erwartet großen Jubel - ungeachtet der Tatsache, dass er sich „hier in Nieder-Olm“ wähnte. Dass die abstrakte Geschichte eines Parteiverbands immer die Geschichte einzelner Köpfe ist, zeigte die Ehrung von Ludwig Borg und Thorsten Reviol. Sie wurden für 40- beziehungsweise 30-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet. Neun Ortsvereinsvorsitzende sah die SPD nach dem Zweiten Weltkrieg, und seit 28 Jahren amtiert Bundesverdienstkreuz-Träger Heribert Schmitt als Ober-Olmer Bürgermeister. Ein Sinnbild der Beständigkeit ist auch Josef Knesch: Den 83-Jährigen begrüßte Greb als ältestes Mitglied des Ortsvereins.

 
 

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